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Im Gespräch mit Anwendern des elektronischen Stützstiftsystems IPR

IPR (Dental Balance, Potsdam) ist ein elektronisches Stützstiftsystem zur Kieferrelationsbestimmung. Viele Zahnärzte arbeiten damit seit Jahren erfolgreich und legen so die Basis für eine sichere prothetische Versorgung. Die Fachjournalistin Annett Kieschnick sprach im Rahmen des Dental Gipfels in Warnemünde mit Dr. Martina Hartmann (Stralsund), Zahnarzt Thomas Fleischer (Magdeburg) und Helge Vollbrecht (Potsdam) über das IPR-System.

 

 

Herr Vollbrecht, Sie vertreiben das IPR-System. Bitte erläutern Sie kurz, was IPR ist.

Helge Vollbrecht (Dental Balance): IPR steht für Intraoral Pressuredependent Registration. Es wurde Anfang der 90-iger Jahre von PD Dr. A. Vogel entwickelt und war weltweit das erste System, das die bekannten Vorteile des bewährten Stützstiftes nutzte. Bei jeder prothetischen Therapie ist Ziel, die physiologische zentrische Relation der Kiefer zueinander zu finden. Hierfür zählt die Pfeilwinkelaufzeichnung zur wohl sichersten und bewährten Methodik. Darauf basiert IPR unter Einsatz elektronischer Erfassung und Auswertung von Bewegungsdaten und Kieferschließkräften in Echtzeit. Die erhaltenen Daten sind in bestem Sinne Biofeedback!

 

Dafür gibt es ja diverse Systeme. Warum IPR?

Helge Vollbrecht: Bei der Entwicklung des IPR-Systems wurden biomechanische sowie muskuläre Zusammenhänge berücksichtigt.  Die hochpräzises intraorale Druck-Messtechnik zur Erfassung des aufgebrachten Kaudrucks ermöglicht über die IPR-Software Informationen, die heute gern als „Biofeedback“ bezeichnet werden. Mit dem IPR-System ist es leicht und reproduzierbar möglich, die Unterkieferbewegungen unter determinierter Registrierkraft elektronisch zu erfassen und in Echtzeit auf einen Monitor in einem X-Y-Diagramm mit Zehntelmillimetereinteilung abzubilden. Aufgezeichnet werden durch den Patienten seine okklusal basierten und muskulär gesteuerten aktuell möglichen Unterkieferbewegungen.

Das Registrat kann über eine Zoomfunktion bis zu 400-fach vergrößert werden. Dies ermöglicht eine sehr präzise Auswertung und über die X- und Y-Koordinaten eine gezielte Festlegung und Umsetzung der gewünschten Zentrikposition. Die festgelegte Zentrikposition wird via Kreuzmesstisch auf einen Sensordummy übertragen. In dieser fixierten Bisslage werden die Zahnreihen wie üblich verschlüsselt. Diese Situation wird in den Artikulator übertragen und lässt objektiv mögliche Auslöser von Dysfunktionen erkennen. Alles in allem ist IPR für mich ein einzigartiges, schlüssiges und vor allem sicheres System für die Diagnostik und Therapiebegleitung. Zusätzlich ist das System sehr gut für eine forensisch sichere Dokumentation geeignet.

 

Herr Fleischer, Sie sind als Zahnarzt in Magdeburg tätig. Seit wann arbeiten Sie mit dem System und wo liegen die Vorzüge?

Herr Fleischer: Mit IPR arbeite ich seit Ende der 90er Jahre. Mich faszinierte schon damals, dass mit dem System ein Weg gefunden wurde, die Zentrik genau zu bestimmen und in Einklang mit den Kiefergelenken zu bringen. Die exakte Zentrik ist für mich der Hauptschüssel zum Erfolg bei einer prothetischen Therapie. Ein Vorteil gegenüber anderen Methoden ist, dass ich bei der Pfeilwinkelregistrierung mit dem IPR-System kaudruckabhängig agieren kann. Der Patient gibt mit seiner Muskelkraft die Bewegung vor. Hierbei werden auf dem Bildschirm die Muskelaktivitäten dargestellt. Es wird z. B. farblich visualisiert, ob der Muskelaufwand ausreichend oder auch zu hoch ist. Auf diesem Weg gelangt der Patient in eine Situation, in der die Kiefergelenke optimal zueinanderstehen. Kurz gesagt: Wir finden heraus, wo sich das Kiefergelenk befinden muss, um maximale Kraft auf die Schädelbasis übertragen zu können.

 

Nutzen Sie bei jeder prothetischen Therapie das IPR-System?

Herr Fleischer: Wir verwenden das System immer dann, wenn mehrere oder alle Zähne im Kiefer ersetzt werden sollen und die Abstützung im Kiefer nicht mehr vorhanden ist. Sobald es keine Referenzpunkte für die Bissregistrierung gibt, kommt IPR zum Einsatz.

 

Frau Dr. Hartmann, Sie sind Zahnärztin in Stralsund. In welchen Fällen setzen Sie das IPR-System ein?

Dr. Martina Hartmann Frau Dr. Hartmann: IPR setze ich immer dann ein, wenn die Frage im Raum steht: Wie stelle ich die Bisslage des Patienten korrekt ein? Also fast täglich. Beim Finden der Antwort unterstützt mich das IPR-System. Ich verwende das System bei fast jeder prothetischen Therapie, aber auch zur Linderung der Beschwerden bei bereits bestehenden Kiefergelenkserkrankungen und nachweisbaren Symptomen einer kraniomandibulären Dysfunktion (CMD). Die massiven Probleme (insbesondere bzgl. der Kiefergelenke), die bei einer fehlerhaft eingestellten Zentrik auftreten können, möchte ich meinen Patienten ersparen. Die „Misserfolge“ beim Eingliedern prothetischer Restaurationen, wie z. B. Fehl- oder Frühkontakte, haben sich in meiner Behandlungspraxis seit IPR signifikant reduziert. Ein wichtiger Punkt wurde schon angesprochen, aber ich möchte dies aufgrund der Wichtigkeit noch einmal betonen: Beim IPR-System wird mit einem nachweisbaren Kaudruck gearbeitet. Somit ist das Vorgehen reproduzierbar; ein großer Vorteil gegenüber der manuellen Methode.

 Ist die Anwendung des Systems im Alltag praktikabel und einfach umsetzbar?

Frau Dr. Hartmann: Um die technischen Komponenten bedienen zu können, ist etwas Übung ausreichend. Um jedoch die Möglichkeiten voll auszuschöpfen, bedarf es fundierter Erfahrung, die nicht von heute auf morgen vorhanden ist. Ich bezeichne IPR eigentlich nicht als ein Gerät, sondern es ist ein Behandlungskonzept! Der Anwender muss sich mit dem System „Mensch“ auseinandersetzen und die funktionellen Grundlagen verstehen. Das IPR-System ist eigentlich „nur“ ein Hilfsmittel, aber ein sehr wichtiges.

Herr Vollbrecht, können Sie bitte abschließend ein Statement zur praktischen Anwendung geben?

Kurz und knapp: Das IPR ist ein System für alle Behandlungsteams, bestehend aus Zahnarzt und Zahntechniker, die mit Ruhe und Sicherheit sowie hoher Reproduzierbarkeit den optimalen Biss ihrer Patienten erfolgreich registrieren möchten.

 

Das Interview führte Annett Kieschnick, Fachjournalistin, Berlin

2017-05-12T13:48:34+00:00

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